Was ist ein Trauma

Was ist ein Trauma und was passiert dabei im menschlichen Organismus?

Trauma heißt übersetzt Wunde oder Verletzung. Wenn wir mit einer Situation konfrontiert werden, die wir als überwältigend und bedrohlich bewerten, reagiert unser Körper zunächst mit dem Kampf-Flucht-Reflex, das heißt mit einer starken Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Ist Kampf oder Flucht nicht möglich, bleibt dem Körper noch der Totstell-Reflex, ein Zustand der Erstarrung und Lähmung, das heißt einer starken Blockierung des sympathischen Nervensystems.

Kann die bedrohliche Situation nicht bewältigt werden, kommt es zu einer Reizüberflutung im Gehirn, worauf unser Organismus mit Einfrieren oder Abspaltung des Geschehens reagiert. Die traumatisierte Person fühlt sich wie gelähmt (erstarrt), die belastende Situation wird als unwirklich erlebt und kann auch oft nicht mehr erinnert werden.

Teile der Lebensenergie und Selbstanteile werden abgespalten und stehen uns nicht mehr zur Verfügung. Der Stress des belastenden Ereignisses und die daraus folgenden negativen Glaubenssätze, Selbstwahrnehmungen und Emotionen wie Angst, Hilflosigkeit und Ohnmacht bleiben in unserem Organismus „eingefroren“.
Die Reflexsteuerung findet tief im Hirnstamm statt, einem Bereich, den wir mit unserem Bewusstsein nicht erreichen können. Bei einer Traumatisierung bleibt die Verarbeitung der überwältigenden Erfahrung auf der Ebene der Reflexe, das heißt in den tieferen Hirnstrukturen stecken und ist für unser Bewusstsein nur noch schwer oder gar nicht mehr veränderbar.

Aus der Hirnforschung ist bekannt, dass unsere Wahrnehmungen und Handlungen zu mindestens 95% unbewusst ablaufen. Daher wird dieses eingefrorene belastende Ereignis immer wieder unbewusst durch Sinneseindrücke aktiviert. Manche Menschen haben dann Flashbacks, unerklärliche Angstzustände oder wiederkehrende Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Die traumatisierten Personen haben oft unbewusst Angst, dass sie diese Hilflosigkeit, den Schmerz, die Angst erneut spüren müssen. Unbewusst meiden sie Situationen oder Reize, die auch nur entfernt ähnlich erscheinen.
Was der traumatisierten Person einmal das Überleben gesichert hat, führt mehr und mehr zu Einschränkungen in bestimmten Lebensbereichen und zu körperlichem oder emotionalem Stress, der sich auf vielfältige Art und Weise zeigen kann. Eine Traumatisierung ist im Grunde also eine biologisch unvollendete Reaktion, die sich auf körperlicher Ebene nur in Form somatischer Beschwerden ausdrücken kann.